[Aufklärung] Fingerprint Türöffner – die Alternative zum Transponder?

„Hallo, wir wollen eine sichere und komfortable Zutrittskontrolle für unser Unternehmen anschaffen. Dabei haben wir an moderne Fingerprint Türöffner gedacht. Was können Sie uns da als Lösung anbieten?“

So oder so ähnlich erreichen uns viele Anfragen von Interessenten. Hier helfen wir natürlich gerne, eine zuverlässige und sichere Lösung zu erarbeiten. Vorher heißt es aber, die Erwartungen und Rahmenbedingungen zu erkennen, nachzufragen und Prioritäten zu setzen. Denn die Entscheidung für oder gegen eine biometrische Lösung steckt wie so oft im Detail.

Der Fingerprint Türöffner als perfekte Lösung?

Die Nachfrage nach biometrischen Sicherheitslösungen wie einem Fingerprint Türöffner nimmt tendenziell zu. Ob ein Fingerprint Türöffner jedoch die perfekte Alternative zur Zutrittskontrolle mit Transponder ist und welche Details es zu beachten gilt, wollen wir Ihnen in diesem Artikel näher bringen.

Alles, was wir als Nutzer einer biometrischen Lösung in der Regel wahrnehmen, ist der Fingerscanner an der Tür. Was aber passiert hinter den Kulissen? Worauf muss ich bei der Auswahl eines geeigneten Fingerprint Türöffners achten? Sind diese Systeme wirklich sicher? Was spricht gegen den Einsatz?

Wir möchten Ihnen anhand unserer Erfahrungen einen Einblick verschaffen der Ihnen dabei hilft, eine fundierte Entscheidungsgrundlage vor Anschaffung von einem Fingerprint Türöffner System aufzubauen.

Sensoren

Die Funktion von einem Fingerprint Türöffner basiert auf dem eingebauten Sensor und den Softwarealgorithmen des Herstellers. Grundsätzlich wird zwischen zweidimensionalen (2D) und dreidimensionalen (3D) Sensoren unterschieden. Wie auch in aktuellen Smartphones werden für die meisten Fingerprint Türöffner zweidimensionale Sensoren eingesetzt. Diese 2D Fingerscanner bestechen im Vergleich zu 3D Fingerprint Lösungen vor allem durch einen deutlich günstigeren Anschaffungspreis. 3D Fingerscanner widerum überzeugen durch eine deutlich höhere Genauigkeit bei der Aufnahme und Erkennung eines Fingerabdruckes.

Entgegen der landläufigen Meinung wird übrigens bei einem Fingerprint Türöffner nicht das Bild Ihres Fingerabdrucks überprüft, sondern ein sogenanntes Template. Aus den biometrischen Merkmalen Ihres Fingerabdrucks wird ein elektronisches Muster (engl. Template) erstellt. Dieses Muster widerum wird dann von der zugehörigen Software in einen Zahlencode umgewandelt und gespeichert.

Sicherheit

Die Sicherheit von biometrischen Systemen sind ein wesentliches Verkaufsargument im Vergleich zu anderen Systemen mit PIN-Code oder Transpondern. Bei führenden Systemen geht man von einer Falschakzeptanzrate von 1 : 10.000.000 aus. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines unberechtigten Zutritts durch eine Person ohne Berechtigung äußerst gering ist. Im Vergleich zu einem 4-stelligen Pin-Code ist eine Zutrittskontrolle mittels Fingerprint Türöffner somit 1.000 Mal sicherer.

Übrigens: die Fingerprint-Sensoren in Smartphones haben derzeit eine überraschend hohe Falschakzeptanzrate. Diese ist ca. 200 Mal höher, als bei führenden Anbietern von Fingerprint Türöffnern. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass bei einem professionellen Fingerprint Türöffner zusätzliche Algorithmen eingesetzt werden.

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Einsatz im Unternehmen: Ja oder Nein?

Dem Grunde nach Ja! 🙂 Aber es sind unbedingt die Rahmenbedingungen zu bewerten. Ein Fingerprint Türöffner unterliegt bei Anwendungen im Business Sektor deutlich anderen Anforderungen als im privaten Bereich.

Kleine Betriebe und Büros

In kleinen Betrieben und Büros sind Fingerprint Türöffner eine geeignete Lösung. Hier sind wenige Mitarbeiter zu erfassen, wodurch die Systeme ihre Stärken ausspielen können. Die Anforderungen sind schließlich recht Ähnlich zu privaten Anwendungen, was die Zahl der täglichen Zutritte und die Personenanzahl angeht. Zweidimensionale Fingerprint Türöffner reichen bei normalen Sicherheitsanforderungen aus. Und im Regelfall können sie sogar in Eigenregie montiert, eingerichtet und betrieben werden. Hier passen also Preis und Leistung häufig gut zusammen.

Größere Unternehmen und Einrichtungen

Mit steigender Mitarbeiterzahl wird es komplizierter. Das liegt unter Anderem an der zunehmenden Datenmenge und der erforderlichen Rechenleistung pro Prüfvorgang. Denn von jedem Mitarbeiter wird nicht nur ein Template in der Datenbank angelegt, sondern eine Vielzahl. Kommt nun ein Mitarbeiter an eine Tür und legt seinen Finger auf den Fingerprint Türöffner, so muss in der Datenbank das zu diesem Finger (Mitarbeiter) passende Template gesucht, gefunden und verarbeitet werden. Erst dann erfolgt eine Rückmeldung in Form einer Türfreigabe bzw. einer Ablehnung. Bereits eine Wartezeit von mehr als zwei Sekunden kann dem Nutzer hier wie eine gefühlte Ewigkeit vorkommen. Achten Sie unbedingt auf eine leistungsstarke Server-Hardware. Bei der Einführung in größeren Unternehmen mit höheren Sicherheitsanforderungen sollte die Wahl zudem auf die dreidimensionalen Fingerscannern fallen.

Welche Probleme können auftreten?

Wenn wir uns die Broschüren der diversen Hersteller durchschauen, dann ist dort eigentlich keine Rede von Problemen. Wer mit seinem Unternehmen nicht altmodisch daherkommen will, für den führe praktisch kein Weg an einem System mit Fingerprint Türöffner vorbei. In der Praxis sieht das jedoch ganz anders aus. Darum beleuchten wir in diesem Abschnitt einige Probleme, wie wir sie bei bestehenden Lösungen vorgefunden haben:

Treffpunkt für Viren und Bakterien

Gerade in der Erkältungszeit dürften die Fingerprint Türöffner ein willkommener Treffpunkt für Viren und Bakterien sein. Und da jeder Mitarbeiter seinen Finger zur Öffnung der Tür auf den Sensor legen muss, steht einer zuverlässigen Verbreitung von Viren und Bakterien nicht im Wege. Dieses Problem haben zahlreiche Hersteller natürlich auch erkannt. Achten Sie daher unbedingt auf eine herstellerseitige Beschichtung des Fingerprint Türöffners mit BioCote ® oder ähnlicher antimikrobieller Technologie.

Nicht für jeden Betrieb geeignet

Gerade in handwerklichen Betrieben kommt es regelmäßig zu Verletzungen an den Fingern. Dies ist nicht nur schmerzhaft, sondern beim Einsatz von 2D Fingerscannern auch ein echtes Problem. Denn Schnitte und Abschürfungen in den Fingerkuppen führen dazu, dass die bestehenden Templates des Mitarbeiters nicht mehr erkannt werden. 3D Fingerprint Türöffner können mit solchen „gestörten“ Templates besser umgehen – Probleme können jedoch auch hier nicht ausgeschlossen werden. Auch im medizinischen Umfeld und in Pflegediensten kann es durch die häufige Verwendung von Seife und Desinfektionsmitteln zu Problemen mit biometrischen Fingerprints kommen.

Hohe Nichterkennungsrate

Einen besonders krassen Fall haben wir bei einem Anwender aus der Logistikbranche erlebt. Hier wurden Fingerprint Türöffner nicht nur für die Zutrittskontrolle eingesetzt, sondern auch für die Zeiterfassung der Mitarbeiter. Entsprechend hoch war die Zahl der täglich aufgelegten Finger an den Türöffnern und Buchungsterminals. Die hohe Frequenz führt zwangsläufig zu einer Ablagerung von Schmutz auf dem Scanner. Das können sowohl Fette und Schmutzpartikel auf der Haut sein, Rückstände von Handcremes oder aber auch arbeitsbedingte Verunreinigungen. Die Folge: die Sensoren verschmutzen und die Zahl von Nichterkennungen steigt rapide an. Erst nach wiederholter Auflage des Fingers erfolgte eine Freigabe der Tür. Dies führte insbesondere bei Schichtwechseln zu langen Schlangen an den Drehkreuzen. Und direkt danach ging es weiter mit der Warterei: denn am Buchungsterminal für die Zeiterfassung widerholte sich das Dilemma erneut.

Dass ein derartige Verzögerungen nicht zur Zufriedenheit der Nutzer führen, ist sicherlich für jeden Leser nachvollziehbar. Der Lösungsvorschlag des Herstellers für das geschilderte Problem kam zwar prompt, war aber für den täglichen Betrieb unpraktikabel: „man solle einfach mehrmals am Tag die Oberflächen der Sensoren mit einem Tuch reinigen.“ Für ein wartungsfreies System ist das in unseren Augen ganz schön viel Aufwand.

Einsatz im Außenbereich

Nun werden die meisten Zutrittskontrollen nicht im Gebäude benötigt, sondern vor allem im Außenbereich und an den Zugängen ins Gebäude. Hier sorgen Feuchtigkeit, Staub und Pollen für zusätzliche Verschmutzung der Sensorik. Im Privatbereich funktioniert der Fingerprint Türöffner dank überdachtem Eingangsbereich und wenigen Nutzern recht zuverlässig. Im industriellen Umfeld sind die Systeme auf Grund baulicher Gegebenheiten jedoch in aller Regel Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Bei unserem späteren Kunden führte dies zu einer einfachen Lösung: man schaltete die teuer erworbenen Fingerscanner nach langem hin und her mit dem Hersteller dauerhaft ab.

„Sowohl als auch“ – die Mischung macht es

Biometrische Lösungen haben nach unserer Einschätzung ihre Daseinsberechtigung. Das gleiche gilt jedoch auch für die Zutrittskontrolle mit einem Transponder. Wir entwickeln für unsere Kunden daher immer Systemlösungen, welche eine Kombination und Ergänzung aus beiden Welten ermöglichen. So kann der Zugang zu kritischen Bereichen und einem kleinen Kreis an berechtigten Personen selbstverständlich mit einem Fingerprint Türöffner geregelt werden, während in Bereichen mit hoher Durchgangsfrequenz und geringeren Sicherheitsanforderungen mit berührungslosen Transponder-Lesern gearbeitet wird.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Erfahrungsberichte, Meinungen und Zeilen. Schreiben Sie uns gerne 🙂

Beste Grüße aus Langenhagen
Christian Maxin & das ganze Team